PISA2000

 

GESCHICHTLICHER UND KUNSTGESCHICHTLICHER ÜBERBLICK
Nach Meinung einiger Historiker soll Pisa Ende des 7.Jh. v.Chr. von griechischen Siedlern gegründet worden sein. Andere dagegen halten eine Gründung durch die Ligurer und eine anschließende Kolonisierung durch etruskische Volksstämme für möglich. Sicher ist, daß Pisa zuerst ein Bündnis mit Rom einging und später römische Kolonie mit dem Namen ``Julia Obsequens`` wurde. Unter der Herrschaft Oktavians (im ersten nachchristlichen Jahrundert) wurde der Hafen, von dem wening erhalten geblieben ist, erweitert. Mit diesem Hafen verbinden sich Aufstieg und Geschichte der Stadt.
Seit ältesten Zeiten bildete der Handel zur See den Mittelpunkt des Virtschaftslebens der Stadt. Und dieser handel erlosch selbst nicht in den größten Krisenzeiten, die ganz Italien heimsuchten – nämlich zur Zeit der Herrschaft von Römern, Barbaren und unter der Besetzung durch die Langobarden.In den folgenden Jahrhunderten vergrößerte Pisa seine Flotte und  führte einen so ausgedehnten Handel, daß es zur größten Seemacht im Mittelmeer wurde. Im 11.Jh. wurde Pisa zum freien Stadtstaat, und nach harten Kämpfen mit den Sarazenen brachte es auch Sardinien in seinen Besitz. In jenem Jahrhundert begann auch eine rege Bautätigkeit. Jetzt entstanden die ersten Bauwerke im pisanisch-lucchesischen Stil, einer lokalen Variante der Romanik. Dieser Stil entwickelte sich aus dem Zusammenwirken verschiedener Stile und Kulturen und beschränkte sich nicht nur auf Bauwerke in Pisa sondern beeinflußte die Architektur in weiten Teilen des Mittelmeerraumes, von Süditalien bis Korsika, von der Provence bis nach Sardinien. Eines der ersten ßeispiele für diesen Baustil, wenn auch noch an rein  früchristliche Formen gebunden, ist die Basilika San Piero a Grado aus dem frühen 11. Jahrhundert. Sie liegt in der Nähe der Stadt. Ende des 11.und Anfang des 12. Jahrhunderts begann man  mit dem Dombau, zuerst unter Buscheto, später unter Rainaldo. Die mächtigen romanischen  Strukturen vereining frühchristliche Stilelemente mit lombardischen und arabischen Einflüssen. Ein Bündnis mit den Normannen und die Beteiligung am ersten  Kreuzzug verhalfen Pisa zu cinem merkbaren Wohlstand, der vor allem auf dem Handel mit dem Orient beruhte. Ende des 11.Jh. wurde die Stadt Bischofssity. Im 12.Jh. unterstützte Pisa die Politik Kaiser Barbarossas, eine Entscheidung, die der Stadt große Gebiete an der tyrrhenischen Küste, in Kalabrien, in Sizilien sowie das ganye Sardinien als Feudalbesitz einbrachte. Nun begann auch die höchste Blütezeit der Pisaner Kunst: mit Bonanno in 12.Jh. und Nicola und Giovanni Pisano im folgenden Jahrundert wurde die Pisaner Bildhauerkunst zu einer der wichtigsten künstlerischen Strömungen in Italien. Im Jahre 1173 begann man, wenn auch unter großen Schwierigkeiten, mit dem Bau des berühmten ´`Schiefen Turms``. In die zweite Hälfte des 13.Jh. fällt der Baubeginn des Monumental-friedhofs, unter Giovanni di Simone, sowie der Kirchen Santa Caterina und San Francesco, wobei zum Teil die jetzt in Italien auftretende Kunstsrömung der Gotik aufgenommen wurde. Zur gleichen Zeit fand auch die Malerei, die stark unter dem Einfluß Sienas stand, ihren Ausdruck in Francesco Traini und dem ``Maestro del Trionfo della Morte``, dem Maler eines Freskenzyklus im Friedhof. In der Folgezeit geriet die Pisaner Malerei stärker in Abhängigkeit von der Florentiner Malerei. Die Macht der Flotte Pisas im Tyrrhenischen Meer, die stärker war als die amalfitanische, erlitt 1284 bei der Schlacht von Meloria mit den Genuesen einen harten Schlag. Es  folgte, verstärkt durch innere Zwistigkeiten, ein lange Krise. Im 14. Jh. Machte sich der politische und wirtschaftliche Verfall noch stärker bemerkbar: ohne eigene Seemacht, verlor Pisa Sardinien an das Haus Aragon und geriet selbst immer stärker unter den Einfluß des nahegelegenen Florenz. 1406 mußte es sich nach langer Belagerung den Florentinern ergeben, die es damit endgültig unter ihre Herrschaft brachten. In der folgenden Zeit erfolgte ein langsamer, doch spürbarer wirtschaftlicher Aufstieg. Nach dem Einrücken Karls VIII (im Jahre 1494) erlebte die Stadt eine kurze Zeit der Freiheit, um dann wieder in die Hände der Medici zu gelangen. Im 16.Jahrundert erfolgten unter der Verwaltung der Medici bedeutende städtebauliche Veränderungen , vor allem in der Hafengegend. Im Jhare 1860 erfolgte, wie in anderen Städten der italienischen Halbinsel, durch Volksentscheid der Anschluß an das Königreich Italien. Damals setzte eine starke Industrialisierung ein, die sich auch über die Stadtgrenzen hinhaus erstreckte.