| Seit ältesten Zeiten bildete der Handel zur See den
Mittelpunkt des Virtschaftslebens der Stadt. Und dieser handel erlosch
selbst nicht in den größten Krisenzeiten, die ganz Italien heimsuchten
– nämlich zur Zeit der Herrschaft von Römern, Barbaren und unter der
Besetzung durch die Langobarden.In den folgenden Jahrhunderten vergrößerte
Pisa seine Flotte und führte
einen so ausgedehnten Handel, daß es zur größten Seemacht im
Mittelmeer wurde. Im 11.Jh. wurde Pisa zum freien Stadtstaat, und nach
harten Kämpfen mit den Sarazenen brachte es auch Sardinien in seinen
Besitz. In jenem Jahrhundert begann auch eine rege Bautätigkeit. Jetzt
entstanden die ersten Bauwerke im pisanisch-lucchesischen Stil, einer
lokalen Variante der Romanik. Dieser Stil entwickelte sich aus dem
Zusammenwirken verschiedener Stile und Kulturen und beschränkte sich
nicht nur auf Bauwerke in Pisa sondern beeinflußte die Architektur in
weiten Teilen des Mittelmeerraumes, von Süditalien bis Korsika, von der
Provence bis nach Sardinien. Eines der ersten ßeispiele für diesen
Baustil, wenn auch noch an rein früchristliche Formen gebunden, ist die Basilika San Piero a
Grado aus dem frühen 11. Jahrhundert. Sie liegt in der Nähe der Stadt. Ende des 11.und Anfang des 12. Jahrhunderts begann man
mit dem Dombau, zuerst unter Buscheto, später unter Rainaldo.
Die mächtigen romanischen Strukturen vereining frühchristliche Stilelemente mit
lombardischen und arabischen Einflüssen. Ein Bündnis mit den Normannen
und die Beteiligung am ersten Kreuzzug
verhalfen Pisa zu cinem merkbaren Wohlstand, der vor allem auf dem
Handel mit dem Orient beruhte.
Ende des 11.Jh. wurde die Stadt Bischofssity. Im 12.Jh. unterstützte Pisa
die Politik Kaiser Barbarossas, eine Entscheidung, die der Stadt große
Gebiete an der tyrrhenischen Küste, in Kalabrien, in Sizilien sowie das
ganye Sardinien als Feudalbesitz einbrachte.
Nun begann auch die höchste Blütezeit der Pisaner Kunst: mit Bonanno in
12.Jh. und Nicola und Giovanni Pisano im folgenden Jahrundert wurde die
Pisaner Bildhauerkunst zu einer der wichtigsten künstlerischen Strömungen
in Italien. Im Jahre 1173 begann man, wenn auch unter großen
Schwierigkeiten, mit dem Bau des berühmten ´`Schiefen Turms``. In die zweite Hälfte des 13.Jh. fällt der
Baubeginn des Monumental-friedhofs, unter Giovanni di Simone, sowie der
Kirchen Santa Caterina und San Francesco, wobei zum Teil die jetzt in
Italien auftretende Kunstsrömung der Gotik aufgenommen wurde. Zur
gleichen Zeit fand auch die Malerei, die stark unter dem Einfluß Sienas
stand, ihren Ausdruck in Francesco Traini und dem ``Maestro del Trionfo
della Morte``, dem Maler eines Freskenzyklus im Friedhof. In der
Folgezeit geriet die Pisaner Malerei stärker in Abhängigkeit von der
Florentiner Malerei.
Die Macht der Flotte Pisas im Tyrrhenischen Meer, die stärker war als
die amalfitanische, erlitt 1284 bei der Schlacht von Meloria mit den
Genuesen einen harten Schlag. Es folgte, verstärkt durch innere Zwistigkeiten, ein lange
Krise. Im 14. Jh. Machte sich der politische und wirtschaftliche Verfall
noch stärker bemerkbar: ohne eigene Seemacht, verlor Pisa Sardinien an
das Haus Aragon und geriet selbst immer stärker unter den Einfluß des
nahegelegenen Florenz. 1406 mußte es sich nach langer Belagerung den
Florentinern ergeben, die es damit endgültig unter ihre Herrschaft
brachten. In der folgenden Zeit erfolgte ein langsamer, doch spürbarer
wirtschaftlicher Aufstieg. Nach dem Einrücken Karls VIII (im Jahre
1494) erlebte die Stadt eine kurze Zeit der Freiheit, um dann wieder in
die Hände der Medici zu gelangen. Im 16.Jahrundert erfolgten unter der
Verwaltung der Medici bedeutende städtebauliche Veränderungen , vor
allem in der Hafengegend.
Im Jhare 1860 erfolgte, wie in anderen Städten
der italienischen Halbinsel, durch Volksentscheid der Anschluß an das Königreich Italien. Damals setzte eine starke
Industrialisierung ein, die sich auch über die Stadtgrenzen hinhaus
erstreckte.
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